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30.06.2010 | Patient Informiert Sich | Hoppenthaler/Hartwig
Gegenwind für Dr. Koschorrek
Antwortbrief von Hoppenthaler auf Gesetztesinitiative

Auf den Vorschlag des Abgeordneten Dr. Rolf Koschorrek (CDU) den §73b SGB V (betrifft die Hausarztverträge) zu ändern, hagelt es Kritik von Seiten des 1. Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Dr. Hoppenthaler. Käme der Vorschlag durch, sind die Kassen nicht mehr verpflichtet, Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) abzuschließen. Außerdem würden alle Verträge, die mittels Schiedsamt entstanden sind, zum Jahreswechsel ungültig werden.

Der Brief des Vorsitzenden des bayerischen Hausärzteverbandes zeigt das politische Problemfeld dem unsere Ärzte ausgesetzt sind.
Es geht nicht um unsere Gesundheitsversorgung, nicht um unsere wohnortnahe Versorgung im Krankheitsfall, nicht und ein gerechtes humanes Gesundheitswesen.
Lobbyisten agieren als Einflüsterer gegenüber unseren Volks (ver) tretern, was heute entschieden wird, hat nur solange Gültigkeit, solange der nächste Lobbyist seine Vorgaben macht.
Die Entscheidungen was unser zukünftiges Gesundheitswesen betrifft, wird in Hinterzimmern entschieden. Mit am Tisch sitzen die Planer einer Gesundheitsindustrie mit dem Ziel ihre Begehrlichkeiten auf unsere Beitrags – und Steuergelder zu befriedigen.

Renate Hartwig


Sehr geehrter Herr Dr. Koschorrek,

mit sehr großem Entsetzen habe ich heute der Presse Ihre neuesten Anschlagpläne auf die Existenz unserer hausärztlichen Praxen entnommen.

Seit der letzten Änderung des § 73 b finden die Hausärzte Deutschlands keine Ruhe mehr. Und es sind in der Tat nicht nur die FDP-Politiker, die uns bedrohen. Die meisten und bedrohlichsten Angriffe kommen von Ihnen und aus Ihrem Umfeld. Der Eifer, mit dem Sie uns verfolgen und mit dem Sie unsere Existenzvernichtung ins Visier genommen haben, ist schon bemerkenswert. Hatten Sie irgendwelche persönlichen Probleme mit einem Hausarzt?

Gleichzeitig täuschen Sie die Bürgerinnen und Bürger Ihres Wahlkreises, indem Sie vorgeben, sich um die hausärztliche Versorgung einzusetzen. Ich darf aus der Presse Ihres Wahlkreises zitieren:
„Für den (Hausarzt), unterstrich Dr. Rolf Koschorrek, wird es ab dem Jahreswechsel sogar deutlich verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen geben. Die ärztliche Honorierung wird im Zuge der Gesundheitsreform nicht nur transparenter, sondern durch Abschaffung der Budgetierung auch leistungsgerechter.“

Sie, sehr geehrter Herr Dr. Koschorrek, haben als MdB und in leitender Funktion des Gesundheitsausschusses zwar die Möglichkeit auf eine Gesetzesänderung hinzuwirken. Spätestens jedoch bei der nächsten Wahl werden Sie den Bürgerinnen und Bürgern Ihres Wahlkreises erklären müssen, weshalb Sie mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegen Ihren öffentlichen Äußerungen die Abschaffung deren hausärztlichen Versorgung betreiben. Oder glauben Sie wirklich, dass sich unter den von Ihnen permanent losgetretenen Diskussionen und nach Abschaffung der Hausarztverträge noch junge Kollegen für diesen Beruf entscheiden werden.

Auch glaube ich nicht, dass sich die Hausärzte Bayerns erneut in Ihrer Existenz bedrohen und von der Politik und den Krankenkassen erpressen lassen werden. Schon nach der ersten Lesung des von Ihnen eingebrachten Gesetzentwurfes wird in Bayern die Ausstiegsdiskussion neu aufleben – und dieses Mal meiner Einschätzung nach mit Erfolg. Auch könnte daraus ein Flächenbrand entstehen, da sich möglicherweise viele Fachärzte anschließen werden. Vielleicht sollten wir uns den Erfolg ihrer Aktivitäten sogar wünschen, da unter den von Ihnen und von manchen Kassen inszenierten Drohszenarien der vergangenen Monate ein vernünftiges Arbeiten und eine seriöse langfristige Planung und Investition in unseren Praxen schon jetzt nicht mehr möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen

W. Hoppenthaller







Unterstützung durch die Bürgerbewegung
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